Kerntemperatur-Tabelle: Alle Fleischsorten im Überblick
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Ein Rindersteak ist bei 56 Grad Kerntemperatur medium, ein Hähnchenschenkel braucht mindestens 78 Grad, diese Zahlen entscheiden über Genuss und Sicherheit auf dem Grill. Die Garzeit allein sagt wenig aus, weil Fleischdicke, Anfangstemperatur und Grillhitze ständig schwanken. Wer mit der Kerntemperatur arbeitet, grillt verlässlich auf den Punkt, statt zu raten und im Zweifel ein trockenes Stück zu servieren.
Warum die Kerntemperatur entscheidend ist
Die Kerntemperatur misst die Temperatur im dicksten Teil des Fleisches, also genau dort, wo es am längsten braucht, um durchzugaren. Sie ist die einzige zuverlässige Größe, weil sie unabhängig von Grillmodell, Wetter und Stückgröße funktioniert. Eine Zeitangabe wie acht Minuten pro Seite kann beim einen Steak perfekt passen und beim nächsten komplett danebenliegen, sobald das Stück dicker ist oder kälter auf den Rost kommt.
Beim Erhitzen verändert sich die Struktur des Fleisches stufenweise. Eiweiße gerinnen, Bindegewebe wandelt sich um, Fett schmilzt und Saft tritt aus. Jeder dieser Vorgänge hat einen bestimmten Temperaturbereich. Genau deshalb lässt sich der Garpunkt so präzise über die Temperatur steuern, ein paar Grad mehr oder weniger machen den Unterschied zwischen saftig und trocken. Wer das verstanden hat, braucht nie wieder ein Steak anzuschneiden, um nachzusehen.
Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt. Geflügel und Hackfleisch müssen aus hygienischen Gründen eine Mindesttemperatur erreichen, um Keime sicher abzutöten. Bei ganzen Stücken vom Rind oder Lamm liegt der Fall anders, weil sich mögliche Keime nur auf der Oberfläche befinden und dort beim Anbraten zuverlässig abgetötet werden. Deshalb darf ein Rindersteak innen rosa bleiben, ein Hähnchen dagegen nie.
Auch das Geschmackserlebnis hängt direkt an der Temperatur. Ein Steak, das nur fünf Grad zu heiß gegart wurde, verliert spürbar an Saftigkeit, weil mehr Eiweiß geronnen ist und mehr Flüssigkeit ausgetreten ist. Genau diese kleinen Unterschiede trennen ein gutes von einem perfekten Ergebnis.
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Für genaue Messungen brauchst du ein gutes Einstichthermometer. Es gibt zwei Bauarten: Das schnelle Einstech-Thermometer misst innerhalb weniger Sekunden und ist ideal für Steaks und kurze Garzeiten. Das Funk- oder Kabelthermometer bleibt während des gesamten Garvorgangs im Fleisch und eignet sich für lange Smoker-Sessions, bei denen du den Deckel nicht ständig öffnen willst.
Beim Messen kommt es auf die richtige Stelle an. Steck die Spitze in den dicksten Bereich des Fleisches, ohne dabei einen Knochen zu berühren. Knochen leitet Wärme anders als Fleisch und verfälscht die Anzeige. Bei flachen Stücken führst du die Sonde von der Seite ein, damit sie wirklich im Kern sitzt und nicht durch das Fleisch hindurchgestochen wird.
Die Genauigkeit ist nicht bei jedem Gerät gleich. Günstige Thermometer reagieren oft träge oder weichen um mehrere Grad ab. Gerade bei Steaks, wo es auf zwei bis drei Grad ankommt, lohnt sich ein hochwertiges Gerät mit schneller Messzeit. Für das gelegentliche Grillen reicht ein solides Mittelklasse-Modell völlig aus.
Kerntemperatur-Tabelle Rind und Kalb
Rindfleisch ist die Fleischsorte mit den meisten Garstufen, weil es innen rosa bleiben darf und je nach Geschmack unterschiedlich zubereitet wird. Die Bandbreite reicht von blutig bis durchgegart, wobei medium die mit Abstand beliebteste Stufe ist. Wichtig zu wissen: Die angegebenen Werte gelten für den Moment, in dem das Fleisch vom Grill kommt, nicht für den Zeitpunkt des Servierens.
| Garstufe | Kerntemperatur | Beschreibung |
|---|---|---|
| Rare / blutig | 48–52 °C | roter Kern, kühl |
| Medium rare | 53–56 °C | rot-rosa, warm |
| Medium | 57–60 °C | rosa Kern, saftig |
| Medium well | 61–65 °C | leicht rosa |
| Well done / durch | ab 66 °C | durchgegart, fester |
| Roastbeef | 54–58 °C | rosa, zum Aufschneiden |
Für klassische Schmorstücke vom Rind, etwa Brisket oder Beinscheibe, gelten ganz andere Werte. Hier liegt das Ziel bei 90 bis 96 Grad, weil das viele Bindegewebe erst bei dieser Hitze in zarte Gelatine zerfällt. Das ist kein Widerspruch zur Tabelle, sondern eine eigene Logik des Low-and-Slow-Garens, bei der die Faustregel rosa gleich saftig nicht greift.
Wer Filet, Entrecôte oder Rumpsteak grillt, fährt mit medium rare bis medium am besten. Diese Stufen halten genug Saft im Fleisch und sorgen für eine angenehm zarte Konsistenz. Well done macht ein gutes Steak meist nur trocken, wer es trotzdem durchgegart mag, wählt eher fettreichere Cuts, die das besser verzeihen.
Kerntemperatur-Tabelle Schwein, Geflügel und Lamm
Schweinefleisch wurde früher fast immer komplett durchgegart. Heute weiß man, dass die meisten Stücke schon bei 62 bis 65 Grad sicher und deutlich saftiger sind, eine leicht rosa Mitte ist bei gutem Fleisch unbedenklich. Geflügel dagegen muss konsequent durchgaren, hier gibt es keinen Spielraum nach unten.
| Fleisch | Kerntemperatur | Hinweis |
|---|---|---|
| Schweinefilet / Steak | 62–65 °C | leicht rosa erlaubt |
| Pulled Pork | 92–95 °C | zerfasert leicht |
| Hähnchenbrust | 72–74 °C | durchgaren, sicher |
| Hähnchenschenkel | 78–82 °C | höher, sonst zäh |
| Lammkotelett | 56–60 °C | rosa, zart |
| Bratwurst | 70–72 °C | komplett durch |
Auffällig ist der Unterschied zwischen Hähnchenbrust und Hähnchenschenkel. Die Brust wird ab 75 Grad schnell trocken, der Schenkel braucht dagegen mehr Hitze, um das Bindegewebe weich zu bekommen. Wer ein ganzes Hähnchen grillt, orientiert sich an der Keule, weil sie der Bereich mit dem höchsten Garzeitbedarf ist. Erreicht die Keule 80 Grad, ist die Brust meist schon durch.
Lammfleisch ähnelt beim Garverhalten dem Rind und darf rosa bleiben. Kotelett und Lammrücken schmecken bei rund 58 Grad am besten. Bei der Lammkeule kommt es auf das Stück an: Als ganzer Braten funktioniert sie rosa, als Schmorbraten landest du dagegen wieder im hohen Bereich um 85 Grad. Bratwurst und andere Brühwürste grillst du grundsätzlich komplett durch.
Carry-over: Warum du früher vom Grill nimmst
Ein oft übersehener Effekt ist das Nachgaren. Sobald das Fleisch vom Grill kommt, steigt die Kerntemperatur noch um etwa zwei bis fünf Grad, weil die Hitze aus den äußeren Schichten nach innen wandert. Bei großen Stücken kann der Anstieg sogar noch deutlicher ausfallen.
Praktisch heißt das: Willst du ein Steak medium bei 58 Grad servieren, nimmst du es schon bei rund 54 Grad vom Rost. Während der Ruhezeit klettert die Temperatur dann von selbst in den Zielbereich. Bei dünnen Stücken ist der Effekt klein, bei dicken Braten oder einem Brisket musst du ihn dagegen fest einplanen, sonst übergart das Fleisch deutlich.
Das Ruhen erfüllt dabei zwei Aufgaben gleichzeitig. Es nutzt das Nachgaren aus und lässt den Fleischsaft zur Ruhe kommen, sodass er beim Anschnitt im Fleisch bleibt statt auf das Brett zu laufen. Drei bis fünf Minuten reichen für Steaks, große Braten dürfen 15 Minuten und länger ruhen. Deck das Fleisch dabei locker mit Folie ab, damit es nicht zu schnell auskühlt.
Direkt loslegen
Mit einem zuverlässigen Thermometer und den richtigen Zielwerten verlierst du die Unsicherheit beim Grillen. Steck die Sonde in den dicksten Teil, vermeide Knochenkontakt und behalte das Nachgaren im Kopf. Geflügel und Hackfleisch grillst du immer konsequent durch, ganze Stücke vom Rind und Lamm dürfen rosa bleiben.
Speicher dir die beiden Tabellen ab oder druck sie aus und häng sie an den Grillplatz. Schon nach wenigen Malen hast du die wichtigsten Werte im Kopf und grillst Steak, Hähnchen und Braten zuverlässig auf den Punkt, ganz ohne Anschneiden und Hineinschauen.
Veröffentlicht durch die BBQ Guide-Redaktion. Veröffentlicht am 4. September 2026.
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