Pastrami selber machen: Vom Rinderbrust-Stück zum Deli-Klassiker
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Echtes Pastrami braucht von der rohen Rinderbrust bis zur fertigen Scheibe rund eine Woche – fünf Tage Pökeln, einige Stunden im Smoker und ein abschließendes Dämpfen. Wer diesen Aufwand nicht scheut, bekommt einen Deli-Klassiker, der jedem gekauften Aufschnitt überlegen ist: würzig, zart und mit einer dunklen Pfefferkruste, die in keinem New Yorker Sandwich fehlen darf.
Pastrami stammt ursprünglich aus der osteuropäisch-jüdischen Küche und kam mit den Einwanderern nach New York, wo es zum Inbegriff des Deli-Sandwiches wurde. Die Grundidee ist simpel: Ein zähes, durchwachsenes Stück Rind wird durch Pökeln haltbar und mürbe gemacht, dann mit Gewürzen verfeinert, geräuchert und schließlich so lange gegart, bis es butterzart zerfällt.
Das klingt aufwendig – und das ist es auch. Aber jeder einzelne Schritt ist handwerklich überschaubar. Du brauchst keine Profi-Ausrüstung, sondern vor allem Zeit, einen Smoker oder Kugelgrill mit Deckel und etwas Geduld. Wer das Projekt einmal durchgezogen hat, versteht, warum selbst gemachtes Pastrami unter Grillfans Kultstatus hat.
Das richtige Fleisch: Rinderbrust verstehen
Die Basis für Pastrami ist die Rinderbrust, auf Englisch Brisket. Das Stück sitzt an der Unterseite des Rinds und ist stark durchwachsen und von kräftigem Bindegewebe durchzogen. Genau diese Eigenschaften machen es ideal: Beim langen Garen schmilzt das Fett, und das Bindegewebe wird zu Gelatine, die das Fleisch saftig hält.
Die Brust besteht aus zwei Teilen – dem mageren Flat und dem fetteren Point. Für Pastrami eignet sich beides, viele bevorzugen aber das Flat, weil sich daraus gleichmäßige Scheiben schneiden lassen. Plane mit einem Stück von zwei bis drei Kilogramm, denn beim Garen verliert das Fleisch deutlich an Gewicht.
Beim Metzger deines Vertrauens bekommst du frische Rinderbrust oft günstiger und in besserer Qualität als abgepackt. Bitte um ein Stück mit einer ordentlichen Fettauflage – diese Schicht schützt das Fleisch beim Räuchern vor dem Austrocknen. Eine zu magere Brust wird trotz aller Mühe schnell trocken.
Pökeln: Der wichtigste Schritt
Das Pökeln macht aus zähem Rind ein zartes, würziges Pastrami und gibt ihm die typische rosa Farbe. Verwendet wird dafür Pökelsalz, auch Nitritpökelsalz genannt. Es enthält neben Kochsalz einen kleinen Anteil Natriumnitrit, der die Farbe stabilisiert und das Wachstum gefährlicher Keime hemmt. Reines Kochsalz funktioniert nicht gleichwertig.
Für die Pökellake löst du Pökelsalz, etwas Zucker, Lorbeer, Knoblauch, Pfefferkörner, Wacholder und Senfsaat in Wasser auf. Die Brust kommt vollständig mit Lake bedeckt in ein Gefäß und für fünf bis sieben Tage in den Kühlschrank. Wichtig ist, dass das Fleisch immer von Lake umschlossen ist – ein Teller als Beschwerung hilft.
Während der Pökelzeit dringt das Salz langsam ins Fleisch ein. Wende die Brust einmal täglich, damit der Vorgang gleichmäßig abläuft. Nach Ablauf der Zeit nimmst du das Fleisch heraus und wässerst es einige Stunden in frischem Wasser, um überschüssiges Salz auszuschwemmen. Das verhindert, dass das fertige Pastrami zu salzig schmeckt.
Die Gewürzkruste: Pfeffer und Koriander
Das markanteste Merkmal von Pastrami ist die dunkle, grob bröckelige Kruste. Sie besteht klassisch zu gleichen Teilen aus grob gemahlenem schwarzem Pfeffer und Koriandersaat. Manche Rezepte ergänzen Senfkörner, Knoblauchgranulat oder Paprikapulver – die Pfeffer-Koriander-Basis bleibt aber das Fundament.
Mörsere oder schrote die Gewürze grob, ein feines Pulver wäre falsch. Du willst eine knusprige, strukturierte Kruste, keine glatte Würzschicht. Das gewässerte Fleisch wird trockengetupft, dünn mit etwas Senf oder Öl bestrichen, damit die Gewürze haften, und dann rundum kräftig in der Mischung gewälzt.
Trag die Kruste großzügig auf – sie schrumpft beim Garen und einiges fällt ab. Lieber etwas mehr als zu wenig. Drücke die Gewürze gut an, damit sie während des Räucherns nicht komplett abrieseln. Nach dem Würzen kann die Brust direkt in den Smoker oder noch eine Stunde ruhen.
Räuchern und Garen im Smoker
Jetzt kommt der BBQ-Teil. Das Pastrami wird bei niedriger Temperatur – etwa 110 bis 120 Grad – im Smoker oder im indirekt befeuerten Kugelgrill geräuchert. Als Holz eignen sich milde Sorten wie Buche, Kirsche oder Hickory. Plane je nach Größe der Brust mit vier bis sechs Stunden Räucherzeit.
Anders als beim klassischen Brisket wird Pastrami nicht durchgehend bis zur vollen Garstufe geräuchert. Sobald die Kerntemperatur etwa 65 bis 70 Grad erreicht hat, ist die Räucherphase beendet. Den Rest übernimmt das Dämpfen. Ein Kerntemperaturthermometer ist dafür unverzichtbar.
| Phase | Temperatur | Dauer / Ziel |
|---|---|---|
| Pökeln | Kühlschrank 4-7 °C | 5-7 Tage |
| Räuchern | 110-120 °C | bis Kern 65-70 °C |
| Dämpfen | ca. 100 °C Wasserdampf | bis Kern 90-93 °C |
Dämpfen: Der Weg zur Zartheit
Der letzte Schritt macht aus dem geräucherten Fleisch das typisch butterzarte Pastrami. Dazu kommt die Brust in einen großen Topf oder Bräter mit etwas Wasser am Boden, sodass sie über dem Wasser auf einem Gitter dämpft. Bei rund 100 Grad gart sie weiter, bis die Kerntemperatur 90 bis 93 Grad erreicht.
Erst bei dieser hohen Innentemperatur löst sich das Bindegewebe vollständig auf. Das kann je nach Größe noch einmal zwei bis drei Stunden dauern. Das Dämpfen hält das Fleisch dabei feucht, sodass es trotz der langen Garzeit nicht austrocknet – ein entscheidender Vorteil gegenüber dem reinen Räuchern.
Nach dem Dämpfen lässt du das Pastrami mindestens 30 Minuten ruhen, besser kühlt es ganz ab. Kalt lässt es sich deutlich dünner und gleichmäßiger schneiden. Schneide immer quer zur Faser – so werden die Scheiben kurz und zart statt langfaserig und zäh.
Das perfekte Pastrami-Sandwich
Der klassische Auftritt für Pastrami ist das Reuben- oder Deli-Sandwich. Dazu gehören frisch geschnittenes Roggen- oder Sauerteigbrot, ein kräftiger Senf, knackige Gewürzgurken und nach Wunsch Sauerkraut und Käse. Das warme Pastrami wird großzügig geschichtet – beim Original türmt es sich fingerdick auf.
Wichtig ist der Kontrast: Das würzige, fette Fleisch braucht einen säuerlichen Gegenpol. Senf, Gurken und Kraut liefern genau das. Wer es deftiger mag, röstet das Brot kurz an und lässt etwas Käse darauf schmelzen. Eine Beilage aus Coleslaw rundet das Deli-Erlebnis ab.
Selbst gemachtes Pastrami muss aber nicht aufs Sandwich beschränkt bleiben. In dünne Scheiben geschnitten passt es zu Rührei, auf eine Pizza oder in einen herzhaften Salat. Reste eignen sich hervorragend für ein schnelles Frühstück oder einen kräftigen Snack zwischendurch.
Worauf es ankommt
Pastrami ist ein Geduldsprojekt, kein Schnellgericht. Plane realistisch eine gute Woche ein und unterschätze keinen der drei Kernschritte: korrekt dosiertes Pökeln, geduldiges Räuchern bei niedriger Temperatur und ausreichend langes Dämpfen bis zur vollen Zartheit. Wer hier abkürzt, bekommt zähes oder trockenes Fleisch.
Die wichtigsten Werkzeuge sind eine Küchenwaage für das Pökelsalz und ein Kerntemperaturthermometer für Räuchern und Dämpfen. Mit diesen beiden Helfern und etwas Zeit gelingt dir ein Deli-Klassiker, der jeden gekauften Aufschnitt in den Schatten stellt – und der auf jeder Grillrunde für Begeisterung sorgt.
Veröffentlicht durch die BBQ Guide-Redaktion. Veröffentlicht am 15. August 2026.
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